Ich bin zu spät. Mehr als eine Woche. Das hätte eigentlich mein Weihnachtspost sein sollen. Aber am Ende habe ich die Zeit lieber mit der Familie, als vor dem Rechner verbracht. Deshalb also zu spät. Aber der Post kommt wenigstens überhaupt noch.

Ohne diesen Salat wäre Weihnachten für mich nicht Weihnachten. Als Kind mochte ich ihn gar nicht. Aber allein der Akt der Herstellung gehörte zum Fest dazu. Eigentlich begann damit Weihnachten für mich. Am 23.12. saßen meine Mutter, meine Oma und ich in der Küche und schnippelten, was das Zeug hielt. Denn dieser Aufwand lohnt sich nicht für eine kleine Schüssel. Zu Hause wurde immer eine große 10-l-Emaille-Schüssel davon hergestellt. Zum ersten Mal davon gegessen wurde am 24.12. zum Frühstück – und dann solange bis die Schüssel leer war. Meist dauerte das bis Anfang Januar. Dann war es auch gut, dass er (endlich) alle war.

Dieser Salat wurde so oder so ähnlich in der Gegend aus der meine Mama stammt von den meisten Familien zu besonderen Festen (dazu zählten eigentlich nur Hochzeiten und Silberhochzeiten) und zu Weihnachten gemacht. Jeder hatte seine eigene Variation, aber die Grundzutaten waren wohl immer ähnlich. Jeder schmeckt ihn ein bisschen anders ab – meiner schmeckt inzwischen auch anders, als der meiner Mama. Nur eines haben alle gemeinsam – die Zutaten werden sehr klein! geschnitten. Der besondere Geschmack entsteht nur, wenn man beim draufbeißen die einzelnen Zutaten nicht mehr erkennt, sondern alle Aromen zusammen erlebt. Die unterschiedliche Textur der Zutaten macht dazu eine guten Teil des Reizes des Salates aus.

Von den Hauptzutaten nimmt man jeweils gleich viel. Jedenfalls so ungefähr. Ich habe dieses Mal etwas mehr Schweinebraten genommen, dafür bisschen weniger Kartoffeln. Von den Roten Beten nehme ich immer etwas mehr, weil sie für die charakteristische Farbe sorgen. Ich habe von jeder Zutat ca. 200 Gramm verwendet. Das ergibt insgesamt so ungefähr 4 Liter Salat!

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Vor dem Durchrühren

Wichtig ist, dass die große Schüssel möglichst immer gekühlt gelagert wird. Nicht direkt mit einem Löffel aus der Schüssel kosten, die Verzehrmenge abnehmen und in einer kleinen Schüssel auf den Tisch stellen und Reste nicht wieder zurückfüllen. – Wenn man sich daran hält, dann hält sich der Salat wirklich eine Woche lang und länger. Meine Tante friert immer einen Teil ein. Das habe ich selbst allerdings noch nie probiert. Ich möchte diesen Salat wirklich nur zu Weihnachten essen.

Ganz früher, als ich noch ein kleines Kind war, wurde in die Schüssel, die auf den Tisch gestellt wurde noch Mayonnaise gerührt. Die hat meine Mutter irgendwann weggelassen, weil das Aroma des Salates darunter leidet. Der Salat braucht keine zusätzliche Soße. Er ist auch so saftig genug.

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Heringssalat
 
Autor:
Zutaten
  • Matjes
  • Schweinebraten (ich: magerer Schweinerückenbraten) (+ Salz, Pfeffer, Senf)
  • Eier
  • Möhren
  • Sellerie
  • Kartoffeln
  • Rote Bete (+ Öl, Salz, gemahlener Kümmel)
  • Äpfel (säuerlich)
  • Gewürzgurken
  • Zwiebeln (dieses Mal habe ich rote genommen, normale gehen aber auch)
  • Essig (Weißweinessig – eher neutral im Aroma)
  • Öl (ebenfalls – eher neutral im Aroma – ich nehme Sonnenblumenöl)
  • Salz, Pfeffer, Zucker
Zubereitung
Am Vortag:
  1. Den Schweinebraten zubereiten. Ich habe das Fleisch einfach nur rundherum angebraten, kräftig mit Salz und Pfeffer gewürzt und etwas Senf bestrichen, eine halbe Zwiebel, eine Möhre mit in die Pfanne gegeben, etwas Wasser angegossen und dann ca. 1 Stunde bei 150 Grad im Backofen gegart.
  2. Gleichzeit kommen die Roten Bete mit in den Ofen. Diese verpacke ich einzeln in Alufolie. Die Folie wird mit etwas Öl bestrichen, mit Salz und etwas gemahlenem Kümmel bestreut und die Knolle dann fest darin verpackt indem man die Ecken oben zusammennimmt und fest eindreht. Wenn die Knollen klein sind (so um die 50 Gramm pro Stück) reicht die Stunde bei 150 Grad. Sonst muss die Zeit etwas verlängert werden. – Meine Mama verzichtet auf diesen Schritt und nimmt eingelegte Rote Bete aus dem Glas oder diese vorgegarten aus dem Supermarkt. Kann man auch machen.
  3. Sellerie und Möhren werden geschält und gemeinsam in Salzwasser gar gekocht.
  4. Die Kartoffeln werden als Pellkartoffeln gekocht und möglichst noch warm gepellt.
  5. Die Eier werden hart gekocht.
  6. Alles sollte dann einige Stunden abkühlen, bevor es geschnitten wird.
Der Salat:
  1. Alle Zutaten werden sehr klein geschnitten – ich schätze, die Würfel haben eine Kantenlänge von ca. 2 bis 3 mm. Wichtig ist, dass die Schüssel groß genug ist. Auch wenn es anfangs nicht so aussieht – die entstehende Menge ist beachtlich.
  2. Alles wird mit Salz, etwas Zucker, etwas Pfeffer und Essig abgeschmeckt. Etwas Öl unterrühren und den Salat in den Kühlschrank stellen und durchziehen lassen. Meist muss man nach einigen Stunden alles noch einmal nachwürzen. Der Salat sollte leicht säuerlich schmecken. Aber eigentlich entsteht das Aroma durch die Zutaten und nicht durch die Gewürze. Diese sollten nur unterstützend eingesetzt werden.

 

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