Als Kind bestand mein Sommer mehr oder weniger daraus meiner Mama beim Einwecken von Obst und Gemüse zu helfen. Bohnen abknipsen, Erbsen auspaalen, Pflaumen entkernen – und ganz wichtig: Gewürzgurken vorbereiten. Jeden Sommer wurden davon so zwischen 40 und 60 Gläser eingeweckt. Das hieß Gurken schrubben, Zwiebeln schälen, Gläser stopfen, Sud kochen. Im Nachhinein betrachtet bin ich mir sicher, dass meine Mama das oft genug verflucht hat. Es war schon sehr viel Arbeit. Aber als Kind fand ich es toll. Wir saßen meist mit Mama und Oma gemeinsam zusammen, jeder hatte seine Aufgabe und es wurde nebenbei geklönt. Allerdings hatte ich auch die Freiheit mich zu verziehen und spielen zu gehen, wenn ich die Nase voll hatte. Ein unschätzbarer Vorteil ;).

Aber zurück zu den Gurken. Die ersten Gurken wurden jeden Sommer im Tonkrug eingelegt und in den Keller gestellt. Es dauerte ein paar Tage und dann gab es herrlich knurpschige Gewürzgurken.

Als ich zu Hause auszog, war das Rezept für diese Gurken eines der wenigen, die ich mir vorher schon bei meiner Mama aus dem Rezeptbuch abgeschrieben hatte. Und ich setze noch immer jedes Jahr mindestens eine große Portion so an. Da ich keinen Keller habe, der sich für die Lagerung des Tonkruges eignet, kommen sie bei mir ein eine große Schüssel mit Deckel und so in den Kühlschrank. Geht auch.

Auf dem Markt gibt es schon wieder die ersten „Einleger“. Und ja, sie sind aus dem Gewächshaus und es ist nicht das Gleiche, als wenn sie im Sommer vom Feld geerntet werden. Aber die letzten Gurken vom vergangenen Sommer sind inzwischen verspeist und ich bin ungeduldig. Also wird die erste (kleinere) Schüssel schon jetzt angesetzt.

Uromas Topfgurken

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Zutaten:

1,5 kg Einleger (kleine Gurken)
10 kleine Zwiebeln (gepellt)
einige Zweige Gurkendill (sehr reifer, blühender Dill – sollte der nicht zu bekommen sein, geht auch „normaler“ Dill mit Stängel)
2 EL Senfkörner
2 Lobeerblätter
5 Pimentkörner
10 Pfefferkörner
1,5 l Wasser
215 ml Essig (10 % !!!)
50 g Salz
50 g Zucker

Zubereitung:

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Als erstes müssen die Gurken gewässert werden. Einfach in einer große Schüssel legen und mit Wasser bedecken und so über Nacht stehen lassen. Wichtig ist, dass die Schüssel offen stehen bleibt. Wenn man sie fest verschließt, dann kippen die Gurken über Nacht.

Am nächsten Tag werden die Gurken mit einer Gemüsebürste in reichlich Wasser gründlich geschrubbt. Das ist wichtig. Die Gurken werden kalt eingelegt und nicht erhitzt. Die gründliche Reinigung ist die Voraussetzung, dass sie sich halten.

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Die geschrubbten Gurken werden auf einem Tuch zum Trocknen ausgebreitet. Bevor sie weiterverarbeitet werden, müssen sie vollständig getrocknet sein.

In der Zwischenzeit wird aus Wasser, Essig, Zucker und Salz der Sud gekocht – einmal aufkochen lassen und danach abkühlen lassen. Wichtig ist, dass er kalt ist, bevor er über die Gurken gegossen wird.

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Ich persönlich schneide bei den Gurken beide Ende knapp ab. Aber das ist reine Geschmackssache. Die Gurken werden jetzt möglichst eng in die Schüssel geschichtet. In Zwischenräume immer wieder Zwiebeln stecken, die Dillzweige zwischen die Schichten legen. Die Schüssel sollte in der Größe so gewählt werden, dass die Gurken gerade so hereinpassen. Es sollte zum Deckel nicht mehr viel Luft sein über der obersten Schicht Gurken.

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Zum Schluss werden die Gewürze mit in die Schüssel gegeben und der kalte (!!) Sud darüber gegossen. Es kann sein, dass es zuviel Sud ist. Es ist kommt immer auf die Schüssel an. Wichtig ist, dass die Gurken vollständig bedeckt sind.

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Da die Gurken zum Schwimmen neigen, wir sie aber im Sud halten wollen, lege ich oben auf die Schüssel einen umgedrehten Teller bzw. eine Untertasse, dann kommt der Deckel drauf und ab mit den Gurken in den Kühlschrank.

Und jetzt beginnt der schwierigste Teil: Warten. Mind. eine Woche, besser aber zwei Wochen sollte man den Gurken jetzt Zeit lassen um durch zu ziehen.

Wenn man die Gurken im Tonkrug in den Keller stellen möchte, dann schwört meine Mama, dass ein Tütchen Einmachhilfe sein MUSS. Ich kann dazu nichts sagen. Ich lagere sie immer im Kühlschrank und komme deshalb ohne die Konservierungsmittel aus.

Wenn man bei der Entnahme der Gurken sorgfältig vorgeht (immer eine saubere Gabel verwenden!), dann halten sie sich im Kühlschrank gut und gerne ein halbes Jahr und länger. Aber meist sind sie ohnehin vorher aufgegessen ;).

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